Vormundschaften

Ruht die elterliche Sorge, wurde ihnen das Sorgerecht ganz oder in Teilen entzogen oder sind Eltern verstorben, so wird das Jugendamt Pfleger oder Vormund. Der vom Vormund vertretene Minderjährige wird in der Rechtssprache Mündel genannt.

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Worum geht es?

Gemäß §§ 55 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) wird das Jugendamt Pfleger oder Vormund in den durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) vorgesehenen Fällen, also zum Beispiel wenn die Eltern versterben, ihnen das Sorgerecht ganz oder in Teilen entzogen wird oder die elterliche Sorge ruht, also tatsächlich nicht wahrgenommen werden kann. Der Vormund wird gesetzlicher Vertreter des Kindes oder Jugendlichen.

Das örtlich zuständige Jugendamt wird per Gesetz Vormund, wenn eine minderjährige Frau ein Kind bekommt und sich keine, der Frau nahestehende Person beim örtlich zuständigen Familiengericht vor Geburt des Kindes meldet, um die gesetzliche Vormundschaft zu übernehmen. Die gesetzliche Vormundschaft auszuüben bedeutet, dass der Vormund die Entscheidungen der voll sorgeberechtigten, minderjährigen Mutter durch seine Unterschrift rechtsgültig macht. Die gesetzliche Vormundschaft bedeutet keinesfalls, dass die minderjährige Mutter erziehungsunfähig ist. Sie hat vollumfänglich das Sorgerecht für ihr Kind und kann alle Entscheidungen bezüglich ihres Kindes alleine treffen. Die gesetzliche Vormundschaft kommt nicht zum Tragen, wenn der Vater des Kindes volljährig ist, die Vaterschaft vor der Geburt anerkannt ist (siehe Beistandschaft/ Standesamt) und die Eltern eine Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge (bei den Beiständen des Jugendamtes) abgegeben haben.

Die Person, die mit der Führung einer Vormundschaft beruflich betraut wird, übernimmt die rechtliche Vertretung des Kindes in allen Lebensbereichen. Die tatsächliche Betreuung des Kindes im Alltag wird dabei in der Regel Betreuungspersonen wie Pflegeeltern oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe übergeben. Es ist vom Gesetzgeber deutlich gewollt, dass der Vormund persönlichen Kontakt zu seinem Mündel hat. Ausdrücklich steht daher im Gesetz, dass der Vormund zu seinem Mündel in der Regel einmal monatlich persönlichen Kontakt haben soll und für dessen Entwicklung in allen Bereichen persönlich verantwortlich ist. Ein Vormund vertritt die Interessen der Minderjährigen rechtlich in allen Angelegenheiten des täglichen Lebens wie beispielsweise:

  • Festlegung des Wohnortes
  • Einwilligung zu gesundheitlichen Fragen wie Impfungen, Operationen
  • Beantragung von Leistungen der Sozialleistungs- und Rehaträger
  • Anmeldung an Kindergarten und Schule
  • Bearbeitung von Erbfällen
  • Begleitung in Strafsachen

Wird eine Vormundschaft durch ein Jugendamt geführt, wird dies „Amtsvormundschaft“ genannt. Eine im Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien beschäftigte Person wird entsprechend beauftragt. Die mit der Vormundschaft verbundenen Aufgaben nimmt diese Person eigenverantwortlich wahr.
Für den Bereich der Vormundschaft bestehen weitergehende Bestimmungen, die aufgrund ihrer Komplexität hier nicht im Einzelnen dargestellt werden können.

Was wird vorausgesetzt?

Eine Vormundschaft wird ausschließlich durch das örtlich zuständige Familiengericht per richterlichem Beschluss eingerichtet. Diesem Beschluss geht immer ein Antrag des örtlichen Jugendamtes voraus. Das Jugendamt benötigt hier Informationen, dass ein Minderjähriger ohne elterliche Vertretung in seinem Einzugsgebiet lebt. Anhand der geprüften Informationen stellt das Jugendamt seinen Antrag beim Familiengericht.

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